Werbung

XRP hat innerhalb weniger Tage eine der stärksten Rallys unter den großen Kryptowährungen hingelegt. Vom Bereich um 1 US-Dollar schoss der Kurs zeitweise bis auf rund 1,65 US-Dollar. Ein Plus von etwa 64 Prozent in nur einer Woche. Nach Monaten der Schwäche stellt sich damit plötzlich eine völlig andere Frage: Ist XRP kurzfristig heiß gelaufen oder erleben Anleger gerade den Beginn einer größeren Neubewertung?

Highlights

  • XRP ist innerhalb einer Woche von rund 1,00 auf zeitweise 1,65 US-Dollar gestiegen.
  • Allein am Donnerstag legte XRP zeitweise mehr als 20 Prozent innerhalb von 24 Stunden zu.
  • Die Rally wird vom gesamten Kryptomarkt unterstützt. Bitcoin erreichte am Freitag zeitweise rund 79.500 US-Dollar.
  • Milliarden an Short-Positionen wurden am Kryptomarkt liquidiert und verstärkten die Aufwärtsbewegung.
  • Nach +64 Prozent wäre eine kurzfristige Konsolidierung völlig normal und würde den übergeordneten Ausbruch nicht automatisch beenden.
  • Für XRP wird jetzt entscheidend, ob aus dem Short Squeeze nachhaltige Nachfrage entsteht.

Von 1 Dollar auf 1,65 Dollar in wenigen Tagen

Noch vor wenigen Tagen sah die Situation bei XRP vollkommen anders aus.

Am 11. August fiel XRP zeitweise unter die Marke von einem US-Dollar. Damit erreichte der Token den niedrigsten Stand seit fast zwei Jahren.

Auch danach blieb die Stimmung gedrückt. Am 18. August notierte XRP noch ungefähr im Bereich von einem Dollar. Dann änderte sich innerhalb weniger Stunden praktisch das gesamte Marktbild.

Zunächst sprang XRP auf rund 1,26 US-Dollar. Allein innerhalb von 24 Stunden entsprach das zeitweise einem Anstieg von etwa 22 Prozent.

Doch dabei blieb es nicht.

Wie der aktuelle Wochenchart zeigt, setzte XRP die Bewegung anschließend nahezu ohne größere Unterbrechung fort. 1,30 Dollar fielen, danach 1,40 Dollar, 1,50 Dollar und schließlich wurde zeitweise ein Kurs von rund 1,65 US-Dollar erreicht.

Vom Bereich um einen Dollar entspricht das einem Anstieg von ungefähr 64 Prozent.

Für einen der größten Krypto-Assets der Welt ist eine solche Bewegung innerhalb weniger Tage außergewöhnlich.

Warum steigt XRP plötzlich so stark?

Der wichtigste Punkt zuerst: Die aktuelle XRP-Rally findet nicht isoliert statt.

Der gesamte Kryptomarkt erlebt gerade eine massive Neubewertung.

Bitcoin stieg am Freitag auf ein Dreimonatshoch von knapp 79.500 US-Dollar und liegt damit innerhalb einer Woche mehr als 20 Prozent im Plus. Gleichzeitig flossen allein in dieser Woche rund 1,6 Milliarden Dollar netto in US-Bitcoin-ETFs.

Ausgelöst wurde die Bewegung unter anderem durch die Entscheidung des US-Finanzministeriums, die Rückkäufe länger laufender Staatsanleihen zu erhöhen. Sinkende Renditen und ein schwächerer Dollar verbesserten daraufhin das Umfeld für Risikoanlagen.

Dazu kommt der politische Rückenwind aus Washington.

Die Trump-Regierung drängt weiter auf einen klareren regulatorischen Rahmen für Kryptowährungen. Das jüngste Treffen im Weißen Haus und die erneute Unterstützung für den CLARITY Act haben die Erwartung verstärkt, dass sich das regulatorische Umfeld für digitale Vermögenswerte in den USA weiter verbessert.

Davon profitieren Altcoins überproportional.

Und XRP gehört derzeit zu den größten Gewinnern.

Werbung

Der Short Squeeze hat XRP zusätzlich beschleunigt

Ein erheblicher Teil der Geschwindigkeit lässt sich allerdings mit dem Derivatemarkt erklären.

Nach Monaten schwacher Kurse hatten sich zahlreiche Marktteilnehmer auf weiter fallende Preise eingestellt.

Dann drehte der Markt.

Allein seit Mittwoch wurden marktweit mehr als 4,3 Milliarden US-Dollar an Short-Positionen liquidiert.

Auch bei XRP wurden Shortseller auf dem falschen Fuß erwischt.

Bereits beim Sprung auf rund 1,26 Dollar zeigten Liquidationsdaten größere Short-Cluster oberhalb des damaligen Marktpreises. Weitere Liquidationen lagen unter anderem bei 1,28, 1,32 und 1,38 Dollar.

XRP durchbrach anschließend alle diese Bereiche.

Das erzeugt einen klassischen Short Squeeze: Steigt der Kurs, müssen gehebelte Short-Positionen geschlossen werden. Dadurch entsteht zusätzlicher Kaufdruck, der den Kurs weiter steigen lässt und wiederum die nächsten Shorts aus dem Markt drängt.

Aus einem normalen Ausbruch kann so innerhalb kurzer Zeit eine explosive Bewegung entstehen.

Genau das haben wir bei XRP gesehen.

Aber +64 Prozent in einer Woche: Ist XRP jetzt überhitzt?

Kurzfristig: durchaus.

Ein Kursanstieg von mehr als 60 Prozent innerhalb weniger Tage verläuft selten dauerhaft in einer geraden Linie weiter.

Trader nehmen Gewinne mit. Frühere Käufer reduzieren Positionen. Gleichzeitig springen nach einer solchen Rally häufig neue Anleger aus Angst, die Bewegung zu verpassen, in den Markt.

Das erhöht die Volatilität erheblich.

Eine Korrektur wäre deshalb keineswegs automatisch bearish.

Im Gegenteil.

Nach einer Bewegung von rund 1,00 auf 1,65 Dollar könnte bereits eine normale technische Konsolidierung XRP deutlich zurücksetzen, ohne die übergeordnete Struktur vollständig zu zerstören.

Ein Rückgang um 15 Prozent vom Bereich um 1,65 Dollar würde XRP beispielsweise noch immer bei ungefähr 1,40 Dollar halten.

Bei einer Korrektur von 20 Prozent wären es rund 1,32 Dollar.

Selbst dann hätte XRP gegenüber dem Ausgangspunkt der Rally noch immer mehr als 30 Prozent gewonnen.

Genau deshalb sollte eine mögliche Korrektur nicht automatisch mit dem Ende der Rally gleichgesetzt werden.

Der Bereich zwischen 1,40 und 1,50 Dollar wird jetzt interessant

Technisch ist nach einer derart schnellen Bewegung vor allem entscheidend, welche früheren Widerstände bei einem Rücksetzer zu Unterstützungen werden.

Bereits während des ersten Ausbruchs galt der Bereich zwischen 1,40 und 1,50 Dollar als entscheidende Widerstandszone. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber öffnete technisch den Weg in Richtung 1,60 bis 1,73 Dollar.

Genau diese Bewegung ist anschließend eingetreten.

Damit dreht sich die Fragestellung jetzt um.

Sollte XRP korrigieren, wäre interessant, ob Käufer im Bereich der vorherigen Ausbruchszone zurückkehren.

Hält dieser Bereich, wäre das technisch deutlich konstruktiver als ein sofortiger Rückfall bis an die alten Tiefs.

Die größere Frage lautet: War 1 Dollar die Kapitulation?

Das könnte rückblickend der wesentlich wichtigere Punkt sein.

XRP hatte monatelang Schwierigkeiten, sich nachhaltig von der psychologisch wichtigen Marke von einem Dollar abzusetzen.

Noch Anfang August wurde erwartet, dass XRP den Monat möglicherweise lediglich zwischen ungefähr 1,00 und 1,18 Dollar verbringen würde.

Nur wenige Wochen später steht der Markt vollkommen anders da.

Das zeigt, wie schnell sich Erwartungen an Kryptomärkten verändern können.

Besonders interessant: Schon vor der Rally gab es Hinweise darauf, dass sich das Verhalten größerer Marktteilnehmer von der Kursentwicklung unterschied.

Während XRP am 11. August bis auf rund 0,99 Dollar fiel, wurde gleichzeitig über Akkumulation durch größere XRP-Halter berichtet.

Auch die Bestände auf zentralisierten Börsen waren zuvor deutlich zurückgegangen. Daten hatten bereits vor der Rally auf ungewöhnlich hohe XRP-Abhebungen und sehr niedrige Einzahlungen bei Binance hingedeutet.

Das allein beweist keinen neuen Bullenmarkt.

Es macht den Ausgangspunkt der Rally aber interessanter.

Was für eine Fortsetzung spricht

Der vielleicht größte Unterschied zu einem isolierten XRP-Pump ist das Marktumfeld.

Bitcoin steigt nicht um ein oder zwei Prozent, sondern hat innerhalb einer Woche selbst mehr als 20 Prozent gewonnen. Institutionelles Kapital fließt wieder in Spot-Bitcoin-Produkte. Die Finanzierungsbedingungen haben sich verbessert und gleichzeitig kommt regulatorischer Rückenwind aus Washington.

Altcoins reagieren auf solche Phasen historisch häufig mit deutlich höheren Ausschlägen als Bitcoin.

Genau das passiert aktuell bei XRP.

Hinzu kommt die fundamentale Entwicklung rund um Ripple und den XRP Ledger.

Institutionelles Lending, RLUSD, Tokenisierung, neue XRPL-Funktionen, Interoperabilität mit anderen Netzwerken und Ripples Ausbau seiner institutionellen Finanzinfrastruktur verändern zwar nicht unmittelbar den XRP-Kurs, erweitern aber das Ökosystem, auf das der Markt XRP bewertet.

Die Rally trifft deshalb auf eine andere fundamentale Ausgangslage als noch vor einigen Jahren.

Was gegen blindes Hinterherkaufen spricht

Trotzdem wäre es gefährlich, aus +64 Prozent automatisch die nächsten +64 Prozent abzuleiten.

Gerade die Geschwindigkeit der Bewegung ist das größte kurzfristige Risiko.

Ein Teil der Nachfrage stammt aus Liquidationen und damit aus erzwungenen Käufen. Sobald der Großteil der Shorts aus dem Markt gespült wurde, fällt dieser zusätzliche Käufer weg.

Danach muss echte Nachfrage übernehmen.

Hinzu kommt: XRP hat innerhalb weniger Tage zahlreiche Widerstände übersprungen, ohne längere Zeit neue Unterstützungsbereiche auszubilden.

Solche Bewegungen können weiterlaufen.

Sie können aber genauso schnell scharf korrigieren.

Nach einer Rally dieser Größenordnung wären zweistellige prozentuale Rücksetzer keine Überraschung.

Drei Szenarien für XRP

Szenario 1: Gesunde Korrektur

XRP gibt einen Teil der Gewinne ab und konsolidiert oberhalb der früheren Ausbruchsbereiche. Das wäre nach +64 Prozent wahrscheinlich das gesündeste Szenario. Der Markt könnte überschüssigen Hebel abbauen, während Käufer höhere Unterstützungen etablieren.

Szenario 2: Die Rally geht direkt weiter

Bleibt der gesamte Kryptomarkt stark und Bitcoin hält seine neue Handelsspanne, könnte Kapital weiter in Altcoins rotieren. Dann wären auch bei XRP weitere schnelle Ausschläge möglich. Gerade nach einem strukturellen Ausbruch können überkaufte Märkte länger überkauft bleiben, als viele erwarten.

Szenario 3: Der Ausbruch scheitert

Problematisch würde es, wenn XRP die komplette Bewegung schnell wieder verkauft und unter zentrale Ausbruchszonen zurückfällt. Dann müsste die Rally stärker als kurzfristiger Short Squeeze statt als nachhaltiger Trendwechsel bewertet werden.

Fazit: Eine Korrektur und ein neuer Aufwärtstrend schließen sich nicht aus

Nach einem Plus von rund 64 Prozent innerhalb einer Woche wäre es ungewöhnlich, wenn XRP ohne Unterbrechung einfach weitersteigt.

Gewinnmitnahmen und eine Konsolidierung wären nach einer solchen Bewegung vollkommen normal.

Die wichtigere Frage lautet deshalb nicht: Kommt eine Korrektur?

Sondern: Was passiert während dieser Korrektur?

Bleibt XRP deutlich oberhalb der alten Handelsspanne, werden Rücksetzer gekauft und etabliert sich die ehemalige Widerstandszone als Unterstützung, würde das für einen wesentlich stärkeren strukturellen Wandel sprechen.

Fällt XRP dagegen genauso schnell wieder zurück, wie der Kurs gestiegen ist, wäre Vorsicht angebracht.

Nach Monaten rund um die Ein-Dollar-Marke hat XRP innerhalb weniger Tage jedenfalls ein deutliches Signal gesendet: Der Markt ist wieder bereit, XRP aggressiv neu zu bewerten.

Ob die 64-Prozent-Rally bereits zu viel war oder rückblickend nur die erste Bewegung eines größeren Trends darstellt, dürfte sich deshalb nicht am heutigen grünen Tageschart entscheiden, sondern daran, wo XRP nach der ersten ernsthaften Korrektur seinen neuen Boden findet.

Entdecke mehr von

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen