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Highlights

  • David Schwartz erklärt, warum künstliche Belohnungssysteme Blockchains teuer und anfällig machen können
  • Proof of Work wird als funktional, aber extrem kostenintensiv beschrieben
  • Miner und Staker sind laut Schwartz keine natürlichen Nutzer, sondern zusätzliche Interessengruppen
  • Der XRP Ledger wurde bewusst ohne Mining und ohne klassische Block Rewards gebaut
  • Ziel des XRPL Designs: niedrige Gebühren, schnelle Finalität und weniger Machtkonzentration

Ein altes Video wird plötzlich wieder relevant

Wenn David Schwartz heute sagt, er wünsche sich, dass jeder in der Krypto Welt dieses Video anschaut, ist das kein beiläufiger Kommentar. Es geht um eines der grundlegendsten Themen im gesamten Blockchain Markt: Warum funktioniert ein Netzwerk überhaupt zuverlässig, und wer bezahlt eigentlich für diese Sicherheit?

In seinem Vortrag mit dem Titel „The best incentive is no incentive“ erklärt der ehemalige Ripple CTO und einer der wichtigsten Architekten des XRP Ledgers, warum Ripple beim XRPL schon 2012 einen anderen Weg gewählt hat als Bitcoin, Ethereum und viele andere Netzwerke.

Der zentrale Gedanke ist einfach, aber unbequem: Nicht jeder Anreiz macht ein System besser. Manche Anreize schaffen erst die Probleme, die sie angeblich lösen sollen.

Das Grundproblem jeder Blockchain: Alle müssen sich irgendwann einigen

Schwartz beginnt mit dem eigentlichen Kernproblem einer Blockchain. Eine Blockchain ist nur dann nützlich, wenn sich alle ehrlichen Teilnehmer irgendwann auf denselben Zustand einigen.

Wenn Alice einen Bitcoin an Bob sendet, muss Bob irgendwann sicher sein können, dass diese Zahlung final ist. Sonst kann er ihr kein Produkt liefern, keine Dienstleistung bereitstellen und keinen wirtschaftlichen Wert darauf aufbauen.

Das ist das bekannte Double Spend Problem.

Eine Blockchain muss also nicht nur prüfen, ob Transaktionen gültig sind. Sie muss auch entscheiden, welche gültige Transaktion zuerst kommt, wenn zwei widersprüchliche Transaktionen gleichzeitig auftauchen.

Genau hier kommen Konsensmechanismen ins Spiel.

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Warum öffentliche Regeln allein nicht reichen

Schwartz erklärt, dass Blockchains eigentlich schon sehr viel Transparenz bieten.

  • Alle kennen den Zustand des Systems.
  • Alle kennen die Regeln für gültige Transaktionen.
  • Alle wissen, was eine Transaktion bewirkt.

Das reicht aber nicht aus.

Denn es kann mehrere gültige Wege geben, wie ein System weiterläuft. Alice kann denselben Coin nicht gleichzeitig an Bob und Charlie senden. Beide Transaktionen können einzeln betrachtet gültig aussehen. Das Netzwerk muss sich also auf eine Reihenfolge einigen.

Und genau diese Einigung ist der entscheidende Punkt.

Natürliche Nutzer gegen künstliche Teilnehmer

Einer der wichtigsten Begriffe im Vortrag ist der Unterschied zwischen natürlichen Stakeholdern und künstlichen Stakeholdern.

Natürliche Stakeholder sind die Menschen oder Unternehmen, für die das System eigentlich existiert. Bei Bitcoin wären das Nutzer, die einen Wertspeicher oder ein Zahlungsmittel wollen. Bei eBay wären es Käufer und Verkäufer.

Künstliche Stakeholder sind Teilnehmer, die nur deshalb gebraucht werden, weil das Systemdesign sie erforderlich macht.

Bei Bitcoin sind das Miner.

Sie lösen kein eigenes Problem im Sinne der eigentlichen Nutzer. Sie werden benötigt, damit das System funktioniert. Dafür verlangen sie eine Belohnung. Diese Belohnung kommt aber letztlich aus dem System selbst.

Schwartz nennt das verbleibende Reibung.

Der harte Angriff auf Proof of Work

Proof of Work funktioniert. Das bestreitet Schwartz nicht. Bitcoin ist das stärkste Beispiel dafür, dass dieses Modell technisch und wirtschaftlich funktionieren kann.

Aber sein Punkt ist ein anderer.

Proof of Work ist teuer.

Die Sicherheit entsteht dadurch, dass ehrliche Teilnehmer mehr Kosten tragen müssen, als Angreifer bereit wären auszugeben. Mining Hardware, Strom, Infrastruktur und Wettbewerb müssen bezahlt werden. Dieses Geld verschwindet aus dem eigentlichen Netzwerk und landet bei Stromanbietern, Hardwareherstellern und Mining Firmen.

Für Schwartz ist das ein schlechtes Kosten Nutzen Verhältnis.

Er formuliert sinngemäß: Wenn man jede Woche einen neuen Fernseher kaufen müsste, nur damit der eigene Fernseher sicher bleibt, wäre das ein absurdes Sicherheitsmodell.

Genau so sieht er Proof of Work.

Warum Miner laut Schwartz ein Interessenkonflikt sind

Miner wollen ein funktionierendes Netzwerk. Aber sie wollen auch möglichst hohe Einnahmen.

Nutzer wollen ebenfalls ein funktionierendes Netzwerk. Aber sie wollen möglichst niedrige Gebühren.

Damit sind Miner und Nutzer nur teilweise gleichgerichtet.

Beide wollen, dass das System überlebt. Aber sobald es um Gebühren, Block Rewards oder Priorisierung geht, gehen ihre Interessen auseinander.

Für Schwartz entsteht dadurch ein dauerhafter Konflikt zwischen denen, die das System nutzen, und denen, die aus der Sicherung des Systems Einkommen erzielen.

Der Wettlauf nach unten

Ein weiterer wichtiger Punkt: Miner stehen unter permanentem Wettbewerbsdruck.

Wer günstiger Strom einkauft, effizientere Hardware nutzt oder aggressiver handelt, gewinnt. Wer moralischer oder vorsichtiger handelt, verliert wirtschaftlich.

Schwartz beschreibt das als Race to the Bottom.

Wenn ein Miner durch bestimmte Strategien mehr Geld verdienen kann, werden andere gezwungen nachzuziehen. Nicht unbedingt, weil sie es wollen, sondern weil sie sonst aus dem Markt gedrängt werden.

Das wird besonders problematisch, wenn Miner oder Block Produzenten Transaktionen zu ihrem Vorteil sortieren, ausnutzen oder priorisieren können.

Für DeFi Systeme ist das ein massives Thema.

Proof of Stake löst nicht alles

Schwartz richtet seine Kritik nicht nur gegen Proof of Work.

Auch Proof of Stake sieht er kritisch, wenn es auf künstlichen Belohnungen basiert.

Staker sperren einen volatilen Vermögenswert und tragen Risiken. Dafür erwarten sie Erträge. Diese Erträge müssen wiederum irgendwoher kommen. Auch hier entsteht also eine Gruppe, die Einkommen aus dem System zieht.

Zudem hängt die Sicherheit wieder stark am Wert des nativen Tokens.

Wenn der Token stark fällt, sinkt die wirtschaftliche Sicherheit des Systems. Für Netzwerke, auf denen viele nicht native Vermögenswerte liegen, kann das zum Problem werden.

Der zentrale Gedanke: Künstliche Anreize machen Systeme teurer

Schwartz stellt eine provokante These auf:

  • Hohe Anreize erzeugen hohe Kosten.
  • Hohe Kosten erzeugen den Bedarf nach hohen Gebühren.
  • Hohe Gebühren erzeugen wiederum höhere Anreize.

Das System dreht sich im Kreis.

Sein Gegenmodell lautet: Wenn die Kosten niedrig bleiben, braucht es auch keine hohen künstlichen Belohnungen.

Genau das war die Grundidee hinter dem XRP Ledger.

Warum der XRP Ledger anders gebaut wurde

Der XRP Ledger setzt nicht auf Mining. Er setzt auch nicht auf klassische Block Rewards.

Stattdessen versucht das System, die Macht einzelner Teilnehmer so stark wie möglich zu begrenzen.

Niemand soll als „Diktator des Moments“ entscheiden können, welche Transaktionen bevorzugt werden. Es gibt keine klassischen Reorganisationen wie bei Proof of Work Ketten. Es gibt keine Phase, in der eine Transaktion lange unsicher bleibt, weil später eine längere Chain auftauchen könnte.

Der XRPL konzentriert sich auf eine engere Aufgabe:

Gültige Transaktionen in eine gemeinsame Reihenfolge bringen.

Mehr nicht.

Weniger Macht bedeutet weniger Angriffsanreiz

Schwartz argumentiert: Wenn Teilnehmer wenig Macht haben, lohnt es sich weniger, diese Macht zu erlangen.

Wenn man keine Double Spends erzwingen kann, keine Transaktionen willkürlich zensieren kann und keine Belohnungen abgreift, verschwindet ein großer Teil der Motivation für Angriffe.

Das Netzwerk muss dann nicht gigantische Summen ausgeben, um künstlich Angreifer abzuschrecken.

Die Sicherheit entsteht stärker aus der Struktur selbst.

Stakeholder sollen schlechte Akteure ausschließen können

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Rolle der ehrlichen Teilnehmer.

Wenn jemand sich schlecht verhält, kann er aus dem relevanten Konsensprozess ausgeschlossen werden. Das ist laut Schwartz weniger problematisch als bei Mining Systemen, weil der ausgeschlossene Teilnehmer keine wirtschaftliche Belohnung verliert, die ihm zusteht.

Er verliert nur Einfluss auf die Reihenfolge gleichwertiger Transaktionen.

Für natürliche Stakeholder ist entscheidend, dass das System funktioniert. Sie haben keinen Grund, gute Teilnehmer auszuschließen. Schlechte Teilnehmer dagegen bringen keinen Nutzen.

Das System soll also gute Akteure anziehen und schlechte Akteure uninteressant machen.

Warum fehlende Belohnungen auch Dezentralität stärken können

Das klingt zunächst widersprüchlich. Viele Menschen glauben, dass ein Netzwerk nur dann dezentral ist, wenn viele Teilnehmer durch Geld belohnt werden.

Schwartz sieht es anders.

Künstliche Belohnungen ziehen Teilnehmer an, die wegen der Belohnung kommen. Diese Teilnehmer wollen ihre Einnahmen maximieren. Sie ähneln sich oft stark, weil dieselben wirtschaftlichen Voraussetzungen zählen: Kapital, Infrastruktur, günstige Kosten, technisches Know-how.

Dadurch kann Zentralisierung entstehen.

Natürliche Anreize funktionieren anders.

Menschen betreiben Full Nodes, weil sie wollen, dass das Netzwerk zuverlässig bleibt. Nicht, weil sie direkt dafür bezahlt werden. Genau das sieht Schwartz als gesündere Form der Teilnahme.

Was der XRPL dadurch erreicht

Aus diesem Design ergeben sich laut Schwartz mehrere Vorteile.

Die Gebühren bleiben niedrig, weil kein teures Mining bezahlt werden muss.

Transaktionen werden schnell bestätigt, weil es keine unsichere Wartezeit auf mögliche Reorganisationen gibt.

Die Zensurresistenz entsteht nicht dadurch, dass ein Miner zufällig fair handelt, sondern dadurch, dass kein einzelner Block Produzent die gleiche Macht bekommt wie in anderen Systemen.

Das ist der Grund, warum der XRPL schon früh Funktionen integrieren konnte, die auf anderen Netzwerken schwieriger waren.

Eingebaute DEX, komplexe Zahlungen und Payment Channels

Schwartz verweist darauf, dass der XRP Ledger bereits 2012 und 2013 Funktionen enthielt, die viele Netzwerke erst Jahre später als Innovation entdeckten.

Dazu gehört eine eingebaute dezentrale Börse.

Dazu gehört Pathfinding für Zahlungen über mehrere Assets.

Dazu gehören Multi Signing Funktionen, Account Management und Payment Channels für Skalierung außerhalb des Ledgers.

Der Grund: Ohne Miner, die Transaktionsreihenfolgen zu ihrem Vorteil ausnutzen können, lassen sich bestimmte Finanzfunktionen sauberer bauen.

Das ist ein zentraler Punkt seines Arguments.

Warum dieses Video heute wieder wichtig ist

Der Vortrag ist nicht nur technische Geschichte.

Er trifft heute einen Nerv, weil der Kryptomarkt inzwischen wieder intensiv über Gebühren, MEV, Staking, Zentralisierung, Miner Macht, Validator Macht und institutionelle Nutzung diskutiert.

Viele Netzwerke stehen vor der Frage:

Wie schafft man Sicherheit, ohne die Nutzer dauerhaft zu belasten?

Schwartz’ Antwort lautet: Man muss das System so bauen, dass möglichst wenig künstliche Macht entsteht und möglichst wenig künstliche Belohnung nötig ist.

Was das für XRP bedeutet

Für die XRP Community ist dieses Video deshalb so relevant, weil es erklärt, warum der XRPL von Anfang an anders gedacht wurde.

  • Nicht als Mining Netzwerk.
  • Nicht als Staking Rendite Maschine.
  • Nicht als System, das Nutzer dauerhaft für künstliche Sicherheit zahlen lässt.

Sondern als effiziente Abwicklungsschicht.

Schnell, günstig, final und ohne unnötige Reibung.

Genau diese Eigenschaften werden heute wieder wichtiger, weil institutionelle Finanzsysteme keine ideologischen Experimente suchen. Sie suchen verlässliche Infrastruktur.

Fazit: Der beste Anreiz ist manchmal wirklich kein Anreiz

David Schwartz’ Kernaussage ist provokant, aber logisch.

Wenn ein System künstliche Anreize braucht, entstehen künstliche Interessengruppen. Diese Interessengruppen ziehen Wert aus dem System. Sie bringen Machtkonzentration, Kosten und potenzielle Konflikte mit.

Der XRP Ledger wurde gebaut, um genau diese Dynamik zu vermeiden.

Das bedeutet nicht, dass jedes andere Modell automatisch schlecht ist. Bitcoin hat bewiesen, dass Proof of Work funktionieren kann. Ethereum hat gezeigt, dass Proof of Stake große Ökosysteme tragen kann.

Aber Schwartz erinnert daran, dass es eine dritte Denkweise gibt:

  • Nicht immer mehr Anreize.
  • Nicht immer höhere Belohnungen.
  • Sondern ein System, das so wenig künstliche Anreize wie möglich braucht.

Und genau deshalb ist dieses alte Video heute vielleicht relevanter als je zuvor.

Wichtigste Punkte im Überblick

  • David Schwartz kritisiert künstliche Anreizsysteme als teuer und konfliktanfällig
  • Proof of Work funktioniert, verursacht aber hohe dauerhafte Kosten
  • Proof of Stake reduziert Kosten, schafft aber ähnliche Interessenkonflikte
  • Der XRP Ledger setzt auf natürliche Anreize statt Mining oder Block Rewards
  • Ziel ist schnelle, günstige und faire Abwicklung ohne unnötige Reibung

Quelle: https://x.com/joelkatz/status/2054227508149772661?s=52

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